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Salz (Natriumchlorid) in der (Tier-)Medizin

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Hinweis

Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von Britta Schlüter-Pieper.

Allgemeines zum Salz
Es gibt viele verschiedene Arten von Salz, der Begriff „Salz“ wird hier für handelsübliches Speisesalz (Natriumchlorid) genutzt. 
Speisesalz hat einen natürlichen Gehalt von mindestens 97% Natriumchlorid (NaCl) und von insgesamt maximal 3% Wasser sowie geringen Teilen an Kalzium, Jod, Magnesium, Kalziumsulfat, Sulfat und Kalium.
Ergänzend kann Jod und Fluorid zugesetzt sein. 
Salz ist für Menschen und Tiere ein essenzieller Mineralstoff und u.a. an der Regulierung des gesamten Flüssigkeitshaushalts und somit auch des Blutdrucks, an Nervenreizweiterleitungen und folglich der Muskelbewegungen sowie an der Steuerung des Säure-Basen-Haushalts beteiligt.


Salzgewinnung
Salz wird heutzutage hauptsächlich durch zwei unterschiedliche Verfahren gewonnen: 

·         Abbau aus unterirdischen Salzlagerstätten,

·         Gewinnung in sogenannten Salzgärten, in welche Meerwasser geleitet wird, das durch Sonneneinstrahlung verdunstet und Salz zurücklässt.

Die Salzgewinnung und der Gebrauch des Salzes zum Konservieren und Würzen von Lebensmitteln sowie zu medizinisch-therapeutischen Zwecken ist in vielen Zivilisationen und schon seit dem Altertum bekannt. 
Das vermutlich älteste Salzbergwerk Europas datiert um 1.500 v.Chr. (Bronzezeit) und bescherte dem oberösterreichischen Ort Hallstatt [01] spätestens in der vorrömischen Eisenzeit (ca. 800 bis 400 v.Chr.) wirtschaftlichen Reichtum durch Salzgewinnung und entsprechenden Handel. Wie wertvoll Salz als Handelsgut war, lässt sich auch an der im Mittelalter und besonders in der Hansezeit gebräuchlichen Bezeichnung „weißes Gold“ ersehen und sogenannte Salzstraßen wurden zu wichtigen Handelsrouten, wie z.B. die „Alte Salzstraße“ von Lüneburg nach Lübeck.
Noch heute lässt sich anhand von Gebiets-, Städte- und Ortsnamen eine frühe Verbindung zum Salz herstellen, z.B. Salzkammergut, Salzgitter etc., aber auch bei Namen mit Hal(l)-, wie z.B. Halle, Hallein, Bad Reichenhall und die im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gelegenen Halligen wird ein etymologischer Zusammenhang als sehr wahrscheinlich diskutiert (griech. ἅλς (gespr.: háls) = Salz).[02]
Der Chemiker Justus von Liebig erkannte Mitte des 19. Jahrhunderts, dass Pflanzen wichtige anorganische Stoffe in Form von Salzen aufnehmen und entwickelte die moderne Mineraldüngung (Kalisalze), deren praktische Anwendung zu einer Vervielfachung der Ernteerträge führte.[03]


Salz als Therapeutikum in der Medizin

Altes Ägypten (ca. 3.000 v. Chr. bis 395 n. Chr.)
Der Papyrus Edwin Smith („Wundenbuch“) ist ein altägyptischer Text, der zu den ältesten schriftlichen Dokumenten medizinischer Heilverfahren gehört. Die Abschrift wird auf ca. 1.550 v.Chr. datiert, das Original soll auf den berühmten Baumeister und Arzt Imhotep (um 2.700 v.Chr.) zurückgehen. Dort wird beschrieben, wie Salz im Rahmen einer dreiphasigen Behandlung einer infizierten Brustwunde eingesetzt wird; man glaubte, dass Salz die Wunde austrocknet und antiseptisch wirkt.[04]
Ein weiterer wichtiger medizinischer Text aus dem Alten Ägypten ist der sogenannte Papyrus Ebers (ca. 1.600 v.Chr.). Dieser enthält zahlreiche salzhaltige Rezepte, vor allem für abführende und antientzündliche Mittel, die als Flüssigkeit, Zäpfchen oder Salbe hergestellt wurden.
Auch bei der im Alten Ägypten praktizierten Mumifizierung von menschlichen und tierischen Körpern spielte das Salz eine wichtige Rolle. Bereits in der Prädynastischen Zeit (ca. 4.000 bis 3032 v. Chr.) begruben die Ägypter ihre Toten in der Wüste. Durch die dort herrschende Trockenheit, Hitze und den Salzgehalt des Sandes gelang eine natürliche Konservierung. In der Folgezeit wurden zur Mumifizierung z. B. mit Harz getränkte Leinentücher verwendet, zur Trocknung wurde die Leiche mit Pottasche (Kaliumcarbonat) eingerieben. Frühere Annahmen, dass die toten Körper in ein Natronbad gelegt wurden, sind inzwischen widerlegt.[05]

Antikes Griechenland (ca. 800 v. Chr. bis 30 v. Chr.)
Der wohl um 460 v.Chr. geborene griechische Arzt und Lehrer Hippokrates (s. Hippokratischer Eid) beobachtete, dass Salz allgemein auf Urin und Stuhlgang wirke und schleimlösend sei. Bei Milz-Erkrankungen wurde ein Trank aus zwei Dritteln Kuhmilch und einem Drittel Salzwasser zur täglich nüchternen Einnahme empfohlen. Zur Reinigung von Wunden und Geschwüren wurde Salz mit Honig vermischt und gegen Hauterkrankungen wendete man Salzwasser äußerlich an.[06]

Römisches Reich (ca. 753 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Die De Materia Medica („Über Arzneistoffe“) des im 1. Jahrhundert n.Chr. lebenden griechischen Arztes Pedanios Dioskurides ist als eines der einflussreichsten Werke in der Geschichte der Medizin und Pharmakologie überhaupt zu betrachten. Nach Dioskurides‘ Erkenntnis waren die Indikationen salzhaltiger Arzneimittel vielfältig, Salze fanden in verschiedenen Zubereitungsformen (z.B. als Trank, Zäpfchen, Salbe, Öl) Anwendung und wurden meist mit anderen Stoffen (z.B. Essig, Honig, Fett, Mehl) gemischt. So wurden Hautkrankheiten (Flechten, Krätze, Warzen), Wassersucht, Entzündungen (Rachen, Mandeln, Kehlkopf, Furunkel), Stiche und Bisse (Wespen, Bienen, Skorpione, Schlangen), Geschwüre, Ohrenschmerz, Pilzbefall, Ischias und andere Leiden mit salzhaltigen Arzneimitteln behandelt.[07]
Das Heilsystem des überwiegend in Rom tätigen griechischen Arztes und Anatoms Galenos von Pergamon (ca. 130 bis 200 n.Chr.) beschreibt ebenfalls die verschiedenen Salzarten und Mischungen mit Honig, Essig, Milch, Öl und anderen Stoffen, die u.a. zur Behandlung von Wundentzündungen, Hautkrankheiten, Geschwüren, Verdauungsbeschwerden genutzt wurden sowie als Abführ- und Brechmittel. Galen gilt als einer der bedeutendsten Ärzte des Altertums, dessen umfassende Lehre für etwa 1.500 Jahre die gesamte Heilkunde beherrschte.[08]

Mittelalter (ca. 500 n. Chr. bis 1.500 n. Chr.)
Im frühen Mittelalter ist die wissenschaftliche Medizin im westlichen Europa über Galens Zusammenfassung der griechischen Medizin nicht hinausgelangt und wird meist als praktisch ausgerichtete, mechanische Kunst angesehen, die sich am Nützlichkeitsprinzip orientiert. Forschung hat keine besondere Bedeutung, bis sich im 10. Jahrhundert die Schule von Salerno [09] im Süden Italiens als medizinische Lehr- und Forschungsanstalt gründet. Sie gilt als „Prototyp“ europäischer Universitäten. Sowohl im Salerner Arzneikundebuch Circa instans als auch in von der Salerner Schule herausgegebenen Gesundheitsbüchern (z.B. Regimen sanitas salernitanum) wird Salz als Therapeutikum beschrieben und sowohl auf die Notwendigkeit der Salzaufnahme über die Nahrung hingewiesen, als auch vor einem Übermaß an gesalzenen Speisen gewarnt. Die medizinischen Indikationen und Arten der Verabreichung ähneln den bereits von Hippokrates, Galen und deren Schulen beschriebenen.

Renaissance (ca. 15. und 16. Jhd.)
Die Renaissance (wtl. „Wiedergeburt“) als Zeitalter grundlegender Veränderungen z.B. in Kunst und Wissenschaft hatte auch Auswirkungen auf die Medizin: So stellte z.B. der Schweizer Arzt Paracelsus (Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, 1493/94–1541) Galens Viersäftelehre infrage, da er der Auffassung war, Krankheit entstünde durch ein oder mehrere äußere Einflüsse (die fünf Entia). Folglich entwickelte er ein chemisch orientiertes Heilsystem und vertrat die Lehre von den drei Prinzipien (Tria Principia) in der Alchemie. Neben den bekannten Prinzipien Schwefel (Sulfur mit den Eigenschaften flüchtig und brennbar) und Quecksilber (Mercur mit den Eigenschaften lebendig, flüssig und wässrig) kam als drittes neues das Salz (Sal) hinzu, was sich in der Bildung fester Formen in der Erde ausdrückte. Paracelsus empfahl gesalzenes Wasser zur Wundbehandlung, Solelösung (Sole = Wasser mit unterschiedlichem Gehalt an aufgelöstem Salz) gegen Hautkrankheiten wie Räude, Krätze und allgemeinen Juckreiz. Außerdem beschrieb er die harntreibende Wirkung des Salzverzehrs.[10]

 


Gegenwart
Eines der wichtigsten salzhaltigen Arzneimittel unserer Zeit ist die isotonische Kochsalzlösung (Infusionslösung mit einem Natriumchlorid-Gehalt von 0,9%, die restlichen 99,1% sind aufbereitetes Wasser). Isoton bedeutet, dass der Natriumchloridgehalt der Mischung gleich ist wie jener des Blutes und aller anderen Körperflüssigkeiten. Somit kann die Mischung problemlos intravenös, intramuskulär, subkutan, rektal, oral und äußerlich angewendet werden und ist oft lebensrettende Erstmaßnahme, da durch Infusion mit ihr kurzfristig ein größerer Blutverlust ausgeglichen werden kann. Weiterhin ist die o.g. Lösung als Trägerlösung für Arzneimittel sehr geeignet.
Isotonische Kochsalzlösung kann auch gut für verschiedene Arten von Spülungen (z.B. Wundspülung, Katheterspülung, Blasenspülung, Nasenspülung etc.) verwendet werden. Hierbei ist die antiseptische Wirkung von Salz auf Haut und Schleimhäuten von wichtigem therapeutischem Nutzen. 
Für medizinisch-therapeutische Zwecke eignet sich neben Speisesalz (NaCl) u.a. auch das Salz aus dem Toten Meer, welches ungefähr 50,8 % Magnesiumchlorid, 14,4 % Calciumchlorid, 30,4 % Natriumchlorid und 4,4 % Kaliumchlorid, bezogen auf die wasserfreien Salze, enthält.[11]
Zur Unterstützung bei Atemwegserkrankungen wie z.B. Dämpfigkeit/COB, Asthma bronchiale, chronische Sinusitis, zur Regeneration der Atemwege nach Infektionen und zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems eignen sich Inhalationen mit der Sole des Salzes aus dem Toten Meer. Die Sole hat hierbei meist ein Salzgehalt von 1,5 % bis 6 % und wird über einen Vernebler o. ä. im Raum verteilt oder über eine Inhalationsmaske appliziert. Der hier greifende Vorteil gegenüber der Nutzung von Natriumchlorid ist die hohe Magnesiumkonzentration, die eine Entspannung der Atemmuskulatur bewirkt.
Für die Badetherapie (Voll- oder Teilbad) eignet sich ebenfalls eine Sole aus dem Salz des Toten Meeres. Der Heilungsverlauf von chronischen Hauterkrankungen (z. B. Psoriasis, Ekzem, Neurodermitis) kann positiv beeinflusst werden, auch profitieren Patienten mit Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis von der lindernden und entspannenden Wirkung.
Das Schüssler-Salz Nr. 8 (Natrium chloratum) kann Beschwerden lindern, die mit dem Flüssigkeitshaushalt im Körper in Zusammenhang stehen, z. B.:

·         wässriger Fließschnupfen, Heuschnupfen, Asthma,

·         trockene Haut und Schleimhäute, Brandwunden, nässende Hautgeschwüre,

·         trockene Augen, Bindehautentzündungen,

·         wässriger Durchfall oder Verstopfung,

·         Zahnschmerzen mit vermehrtem Speichelfluss,

·         Rheuma, Arthrose.

Das homöopathische Mittel Natrium chloratum wird aus Steinsalz gewonnen. Es kommt häufig dann zum Einsatz, wenn sich durch lang andauernden Kummer körperliche Beschwerden entwickelt haben.
Typische Anwendungsgebiete sind Erkältungen, Kopfschmerz, der über den Augen sitzt, ggf. verbunden mit Sehstörungen, Zahnfleischentzündungen, Mundgeschwüre, Hautveränderungen (Warzen, Furunkel, Schuppenflechte, Lippenherpes etc.). Des Weiteren kann das o. g. Mittel bei Verstopfungen und Sodbrennen helfen.
Leitsymptome sind u.a. Beschwerden durch Kummer, die durch Trost verschlimmert werden, Verlangen nach Salz und großer Durst auf eiskalte Getränke, Rückenschmerzen, die durch Druck zu bessern sind, regelmäßig wiederkehrende Kopfschmerzen, ggf. mit Übelkeit, Mundwinkelrhagaden und die Neigung zu Herpes sowie auch starke Schläfrigkeit nach dem Essen.


Bonusmaterial

Salz-Therapie bei akneiformen Effloreszenzen im Gesichtsbereich (Selbstversuch vom 30.02.2019)

Protokoll:
1. Herstellung der Lösung: 
1 Prise handelsübliches Kochsalz wird mit 1 TL Zitronensaft und 10 ml Tequila als Trägerlösung gemischt. Es folgt die laute Artikulierung des bekannten schwedischen Zauberspruchs Skål als Positivverstärker und die sofortige orale Einnahme der Lösung. 

2. Prüfung der Wirkung nach 15 Minuten:
Gesichtsfarbe gleichmäßig gerötet, Effloreszenzen noch vorhanden, fallen aber optisch weniger stark auf, daher sofortige Wiederholung des Zauberspruchs und der Zufuhr der Lösung wie oben. 

3. Erneute Kontrolle nach weiteren 15 Minuten:
Gesichtsfarbe immer noch gerötet, Effloreszenzen jetzt annähernd verdoppelt (Erstverschlimmerung!?!), Gesamt-Optik erstaunlicherweise trotzdem wohlgefälliger, deshalb und zur Absicherung des möglichen Therapieerfolgs nochmalige o.g. Einnahme der oralen Wiederholung (häh??).

4. Kontrolle nach einem nicht mehr genau definierbaren Zeitraum:
Akneiforme Efflo…dingsbums optisch nicht mehr nachweisbar. Die Kontur der Nase wirkt allerdings merkwürdig verschoben, wahrscheinlich Ursache dafür, dass die Brille nicht mehr quer, sondern nahezu längs vor den Augen sitzt. 

5. Fazit:
Therapieansatz vielversprechend, Nebenwirkungen allerdings nicht unerheblich. Für statistische Zwecke sollte der Versuch gelegentlich wiederholt werden. Wenn Nebenwirkungen dann gleichbleibend, ggf. Überlegung, ob Austausch der Trägerlösung sinnvoll sein könnte. 

Quellen:

[01]         https://de.wikipedia.org/wiki/Hallstattzeit

[02]         https://de.wikipedia.org/wiki/Hall_(Ortsname),

                https://www.dwds.de/wb/Salz

[03]         https://de.wikipedia.org/wiki/Justus_von_Liebig

                https://de.wikipedia.org/wiki/Kalisalz

[04]         https://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_Edwin_Smith

[05]         https://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_Ebers

                https://de.wikipedia.org/wiki/Mumifizierung_im_Alten_Ägypten

[06]         Dierbach, Johann Heinrich: Die Arzneimittel des Hippokrates, oder Versuch einer systematischen Aufzählung der in allen hippokratischen Schriften vorkommenden Medikamenten. Neue Akademische Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg, 1824

[07]         https://de.wikipedia.org/wiki/Pedanios_Dioskurides

[08]         https://de.wikipedia.org/wiki/Galenos

[09]         https://www.aerzteblatt.de/archiv/80149/Die-Medizinschule-von-Salerno-Weg-zur-Wissenschaft

[10]         https://de.wikipedia.org/wiki/Paracelsus

[11]         https://de.wikipedia.org/wiki/Totes_Meer


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